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Freundschaft reloaded – oder: Blindes Vertrauen ohne GPS (und ohne Bremsbelag-Schulung)

  • Autorenbild: Herbert Zauner
    Herbert Zauner
  • 25. Apr. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Sept. 2025


Manchmal braucht es keinen Trainingsplan. Manchmal reicht ein gemeinsames Ziel – und das Vertrauen, dass man sich am Weg dorthin nicht verliert. Oder wie in unserem Fall: dass man sich auch ohne eine einzige gemeinsame Ausfahrt trotzdem am Gipfel wiederfindet – verschwitzt, vielleicht grantig, aber immer noch Freunde.


Denn, ja: Seit dem Tag, an dem Michael entschieden hat, doch mitzukommen – und ich mein Solo-Abenteuer in ein Duo-Abenteuer verwandelt habe – war da…

kein einziges gemeinsames Radtraining.Null. Nada. Niente.

Kein Hochkurbeln auf die Gis, kein Duell an der Donau, kein zünftiges Jausnen nach 80 Kilometern. Im Vergleich zur Transalp 2017? "Fast wie ein Beziehungstrip ohne erstes Date."


Damals, vor der Alpenüberquerung, waren wir "wochenlang gemeinsam" unterwegs. Auf Schotter, Asphalt und im Schneegestöber (hahaha) der Motivation. Wir haben trainiert, geschwitzt, geflucht – und uns dabei Schritt für Schritt aufeinander abgestimmt. Es war, als ob unsere Kettenräder synchron drehten – und unsere Freundschaft gleich mit.


Und heute?


Heute haben wir nicht einmal die Sattelhöhe des anderen überprüft. Und doch bin ich mir sicher: Wir schaffen das.


Warum?



Weil wir nicht bei null anfangen, sondern auf etwas aufbauen. Weil die sieben Punkte, die ich am 19. März in meinem Blogbeitrag über „Freundschaft on Tour“ niedergeschrieben habe, noch immer gelten:

  • Dass man nicht immer im gleichen Takt treten muss, aber ins gleiche Ziel will.

  • Dass man auch mal fluchen darf – und weiß, der andere meint’s nicht böse.

  • Dass man sich blind versteht, wenn die Luft dünn wird – wortlos, aber mit vollem Herzen.

  • Dass Streit keine Option ist, weil gemeinsames Lachen immer gewinnt.

  • Dass geteilte Freude doppelte Freude ist

  • Dass wahre Freundschaft auch durch einen Ersatzschlauch erkennbar sein kann

  • Dass unterschiedliche Fahrstile trotzdem das gleiche Ziel haben können


Natürlich, ein bisschen Wehmut ist schon dabei. Ich geb’s zu: Ich hab’s vermisst – die gemeinsamen Stunden im Vorfeld, das Tüfteln, das Vorfreudefieber, das „Schau, dort fahren wir auch noch rauf!“.Die Gespräche bei Kaffee (bei Michael eher Bier) über Routen, Packlisten und Popo-Strategien.


Und dann wäre da noch mein ganz persönlicher Wunsch gewesen – eine kleine, aber feine Technikschulung. Bremsbeläge wechseln, Schlauch flicken, notfalls den Sattel mit Kabelbindern festzurren (so a Blödsinn!) – das wollte ich diesmal lernen. Und Michael? Der sagte damals ganz klar: „Mach dir keine Sorgen, das übernehme ich!“

Tja – bis heute warte ich.

Vielleicht ist er der Meinung, ein Kurs im Vertrauen sei die bessere Vorbereitung? 😉


Natürlich könnte man sagen: „Herbert, du hättest ja selbst wen fragen können.“Ja eh. Aber ich lerne auch, Dinge abzugeben, wenn mir jemand seine Unterstützung anbietet. Vertrauen schenken heißt auch, Verantwortung teilen. Und – fairerweise – wir haben ja unser Backup auf Korfu mit Dimitris, unserem persönlichen Technikengel vor Ort. Das beruhigt. Ein wenig. Aber mein "innerer Schraubenziehergeist" hätte sich trotzdem gern ein bisschen austoben dürfen.

Ich hoffe einfach mal, dass wir spätestens auf Korfu gemeinsam an einem Reifen schrauben – und dabei vielleicht sogar ein bisschen lachen. Aber ehrlich gesagt, hoffe ich NICHT dass wir eine Panne haben aber trotzdem viel zu lachen haben!

Denn trotz aller Vorbereitung, Trainingspläne (nicht vorhandenen), Technikschulungen (versäumten) und fehlenden Jausenrunden: Ich weiß, dass wir das schaffen.


Weil Freundschaft nicht vom Luftdruck im Reifen abhängt – sondern vom Vertrauen ins Gegenüber.


Also los – auf zu neuen Erlebnissen! Ohne Trainingsplan, aber mit umso mehr Herzblut. Denn Freundschaft braucht nicht immer GPS. Manchmal reicht ein Blick – und ein gemeinsames „Pfiati, jetzt geht’s los!“.


Euer Herbert

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