Held des Tages - DER ESEL VON AFIONAS
- Herbert Zauner
- 3. Mai 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Sept. 2025
Man könnte meinen – nach einem Tag wie diesem, mit brennenden Wadln, über 900 Höhenmetern, unzähligen Kurven und einer gehörigen Portion Sonne – da müsste einer von uns der Held des Tages sein. Immerhin haben wir uns geschunden, gestemmt, geschwitzt und geschoben. Aber nein. Unser Held des Tages war kein Mensch. Es war: ein Esel.
Ja, richtig gelesen. Ein Esel.
Aber nicht irgendeiner. Es war der Esel von Afionas.
Und was für einer!
Oben im Dorf, unter einem ehrwürdigen Olivenbaum, stand er da – wie ein griechischer Philosoph auf vier Beinen.
Gelassen.
Unbeeindruckt.
Würde ausstrahlend. Oh wie fein!
Während wir mit keuchenden Lungen und verschwitzten Trikots durch die steilen Gassen tappten, musterte er uns mit einer Ruhe, wie sie nur Lebewesen ausstrahlen, die schon vieles gesehen – und noch mehr verstanden – haben.
War er neugierig? Vielleicht.
War er stolz? Bestimmt.
War er ein Influencer? Vermutlich, denn er ließ sich bereitwillig fotografieren.
In einer Welt voller Selfies, E-Bikes und Klimaanlagen stand er da – einfach nur Esel. Und doch: mehr Grieche als viele andere.
Ein stiller Bewohner dieses kleinen feinen

Dorfes, ein Beobachter des Geschehens, ein Lebewesen mit Charakter. Vielleicht das letzte seiner Art auf Korfu?
Für uns war klar: Dieser Esel hatte mehr Ausstrahlung als jeder griechische Tempel und mehr Würde als jede Taverne mit 3-Gänge-Menü.
Er war der Ruhepol im Getriebe der Touristenzeit.
Der Fels in der Radlbrandung.
Der griechischste aller Griechen.
Lieber Esel von Afionas – wir danken dir. Für deinen stillen Humor, deine majestätische Präsenz und für die kurze, aber innige Verbindung zwischen deinen dunklen Augen und unseren leicht überzuckerten Powerriegel-Seelen.
Du bist unser Grieche des Tages.
Und – wer weiß – vielleicht der wahre Bürgermeister dieses wunderbaren Dorfs.
Danke für Deine Bekanntschaft!
Deine zwei Biker-Touris –
(jene zwei, bei denen Du vermutlich selbst nicht ganz sicher warst, ob sie nicht auch zur Gattung der Esel gehören. Denn wer sonst würde bei dieser Hitze freiwillig mit dem Rad rund um Korfu strampeln?)
Wir verneigen uns vor dir, großer Grauer von Afionas –
ein echtes Vorbild in Sachen Gelassenheit, Würde und Schattenstrategie!
Michael & Herbert








Wie gut kann man(n) eigentlich schreiben?? Deine Zeilen haben mich berührt und es klingt, als ob eure Tour ganz viel mit sich bringt…nicht nur Kilometer. Wie schön, wenn man die kleinen Dinge im Leben sehen und schätzen kann. So beeindruckt von eurem Erlebnis - ich will jetzt auch nach Korfu (aber ohne Rad 😅) Danke für die tollen Geschichten!