Tag 3/ tria
- Herbert Zauner
- 4. Mai 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Sept. 2025

Von Helden, Tigern, Trails und einem Kaffee mit Ouzo
Der dritte Tag startet früh – um Punkt 8:00 Uhr sitzen wir zwei Pedalritter bereits im Sattel. Der Ort des Aufbruchs: Paleokastritsa. Der Himmel klar, die Beine halbwegs frisch, die Motivation? – Voll geladen, wie Michaels E-Bike.
Mein Frühstück: ein schneller Kaffee vom Apartment und ein Müsliriegel. Für den Tiger Michael eindeutig zu wenig – sein innerer Löwe braucht bekanntlich ein halbes Frühstücksbuffet, um nicht zu brüllen. Also: erster kulinarischer Zwischenstopp in Liapades – ein Toast, ein starker griechischer Kaffee – und weiter geht’s.
Und dann kam der Zauber: der Corfu Trail. Abseits der Straßen, durch knorrige Olivenhaine, der Duft von Kräutern in der Luft, das Zirpen der Zikaden als Soundtrack. Es war fast kitschig schön – aber eben nur fast, denn spätestens bei den 1100 Höhenmetern wurde’s wieder sehr real.
Je näher wir Prasoudi kamen, desto mehr stiegen alte Erinnerungen in mir hoch – an die unzähligen Urlaube mit meiner Familie, an Strandtage, gemeinsame Abendessen, ans Kinderlachen und das Gefühl, dass hier irgendwo immer der Sommer wohnt. Es war eine Welle der Dankbarkeit, die mit jeder Kurve wuchs.
Doch trotz Nostalgie war auch heute wieder echte Arbeit gefragt – die Etappe hatte es mit ihren über 50 km und den vielen Steigungen in sich. Michael schwebt dabei mittlerweile wie eine griechische Göttin über die Serpentinen – ich dagegen eher wie ein in Schweiß getriebener Oldbiker mit bremsendem Wadelkrampf. Aber wir lachen. Wir schwitzen. Und wir sind stolz.
Ein letzter Halt in Agios Matheos – und plötzlich: ein Wiedersehen!
Anastasia, die Heldin der damaligen Sommer, stand wieder hinter dem Tresen. Wir haben in früheren Jahren oft bei ihr einen Kaffee getrunken – und aus einer Laune heraus hat sie mir und meinem Freund Ludwig damals einen “Café Elleniko me ligo Ouzo” serviert. Ein Kaffee mit Charakter. Und was soll ich sagen: heute gab’s ihn wieder. Der Geschmack? Wie eine kleine Zeitreise, kräftig, warm und ein bisschen verrückt.
Und dann – endlich – am späten Nachmittag:
Wir rollen ein in Prasoudi Beach. Ziel erreicht. Beine müde, Köpfe sonnengeküsst, der Kreislauf irgendwo zwischen Banane und Glückshormon. Und dort steht er: ILIAS.
Was für ein Wiedersehen!
Ein Moment, wie er kitschiger nicht sein dürfte – aber verdammt, er war echt.
Ein fester Händedruck, ein herzliches Lachen, und dann dieser Blick: „Ihr seid wirklich wieder da!“ Und ja – ich gebe es zu – da war mehr als nur ein Staubkörnchen im Auge. Fast Freudentränen.
Ilias – dieser eine Mensch, der hier immer war, wenn wir kamen. Mit seiner Herzlichkeit, seiner ruhigen, vertrauten Art, mit Geschichten, mit Lächeln und mit einem Herzen, das offenbar direkt mit dem Sonnenuntergang über dem Meer verbunden ist.
So viele Erinnerungen sind plötzlich wieder da. Abende mit Blick aufs Meer. Essen, das nach mehr schmeckt. Gespräche, die hängen geblieben sind. Kinderlachen. Lebensfreude. Und diese eine einfache Wahrheit: Manche Orte vergisst man nicht. Und manche Menschen gehören genau zu diesen Orten.
Prasoudi – wir sind wieder da. Und es fühlt sich an wie Heimkommen. YESSSSSS!
Wetterausblick? Etwas kühler, weniger Sonne – ideal, denken wir.
Nur einer wird nervös: Herbert.
Denn der hat sich in einem heldenhaften Akt der Optimismus-Übertreibung gegen eine Regenjacke entschieden. Zitat: „Wird scho net regnen.“ – Wir zittern mit ihm. (Hahaha)
Fazit von Tag 3:
Freundschaft ist, wenn du dich gemeinsam über einen Toast freust.
Stolz ist, wenn du bei beinahe 30 Grad und 1100 Höhenmetern nicht fluchst.
Und Glück ist, wenn du an einem vertrauten Ort von einer alten Bekannten einen Kaffee mit einem Schuss Ouzo bekommst.
Morgen geht’s weiter. Richtung Süden. Richtung Abenteuer. Richtung – Regen? Wir werden sehen.
























































































Kommentare