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Tag 5/ pende - Wasser von oben, Pannen von unten, und ein Ort/Berg namens Chlomos

  • Autorenbild: Herbert Zauner
    Herbert Zauner
  • 8. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Sept. 2025



Oh mein Gott – es regnet! Und zwar wirklich. Nicht so ein bisschen philosophischer Nieselregen, sondern echtes, ernst gemeintes Wasser von oben. Die Wettervorhersage hatte es angekündigt, aber unser allwissender Meteorologe Herbert wollte es nicht wahrhaben. Ich hingegen habe zur Verstärkung meines positiven Denkens die Regenjacke gleich in Linz gelassen. Oder war das einfach Blödheit? Man weiß es nicht.

Aber siehe da – Punkt 10:00 Uhr hört der Regen auf, und sogar ein paar Sonnenstrahlen lassen sich blicken. Zuvor hatten wir uns noch ein Frühstück im Café gegönnt – einem charmanten Ort, voll mit diskutierenden Männern, bei denen man sich fragt, ob sie gerade die Regierung stürzen oder einfach nur den besten Olivenölpreis verhandeln. Wir, als einzig erkennbare Touristen mit Radklamotten und – nicht zu vergessen – Rädern vor der Tür, wurden freundlich empfangen. Kaffee, Toast, gute Stimmung – los geht’s!

Ein letzter Blick auf den malerischen Fluss von Lefkimmi, bunt bemalte Fischerboote inklusive, und wir rollen los. Ziel: Zurück nach Korfu-Stadt. Treffpunkt mit Dimitris um 18:00 Uhr – und zwischen uns und ihm etwa 60 Kilometer, ein Wald, ein paar Berge, ein unberechenbarer Wind und das Schicksal in Form von Fahrradtechnik.

Die Route? Einmal querfeldein. Nasser Boden, tiefe Spurrillen, Gestrüpp, das sich wie eine Umarmung des Dschungels anfühlt. Nach wenigen Kilometern sind wir klatschnass – von unten, von oben, von innen. Das Gras steht kniehoch, das Ego liegt tiefer. Und ja – Gegenwind gibt’s auch wieder. Irgendjemand da oben hat heute richtig Spaß an uns!


Doch dann – Erlösung: raus aus dem Wald, rauf auf die Küstenstraße Richtung Notos Beach. Mein persönlicher Lieblingsmoment! Doch bevor es zum Beach ging, gab’s noch einen kleinen Boxenstopp – in einer geschlossenen Taverne SAVAS! Einer der von meinem treuesten Blogfan Elisabeth liebster Platz auf corfu! Geschlossen? Uns doch egal! Offen genug, um uns Durstigen ein Getränk zu servieren. Wahrscheinlich sahen wir aus, als wären wir gerade durch einen Bach geradelt. Waren wir ja auch.


Die Sonne kommt, die Laune steigt – und was machen zwei vernünftige Männer an einem warmen Frühlingstag am Meer? Richtig: Sie fahren weg vom Meer. Rauf nach Chlomos. Warum? Weiß niemand. Vielleicht war es ein letzter Test. Chlomos – ein malerisch gelegenes, fast schon mystisch wirkendes Bergdorf mit fast 400 Höhenmetern zum Abschluss. Ein bisschen wie das Finale einer Bergwertung, bei dem niemand eine Prämie bekommt, außer einem Moussaka und einer sagenhaften Aussicht.


Oben angekommen: Schweiß, Stolz und ein gutes frisches Bier. Und viele Gedanken, was in den letzten Tagen alles so passiert ist. Doch dann kam der Moment, auf den ich gerne verzichtet hätte: Mein Vorderreifen verliert Luft. Kein platter Reifen, aber definitiv ein zickiges Ventil. Also: Pumpen, fahren, wieder pumpen. Ein echtes Intervalltraining für die Nerven.

Nach Messongi war die Luft wieder raus – im wahrsten Sinn des Wortes. Noch zwei Mal pumpen, dann – kurz vor dem Ziel – das endgültige Ventildrama. Wir mussten den Schlauch wechseln. Aber Michi, unser Techniker der Herzen, zauberte mit geübten Händen und meiner tatkräftigen Unterstützung das Unmögliche möglich. Zwar knickte das neue Ventil auch wieder, aber Hauptsache: es hält irgendwie.

Noch 15 Kilometer auf halber Luft – und dann, natürlich, auch bei Michi: Luftverlust. Es war fast schon poetisch. Uns beiden und den Rädern ging gleichzeitig die Puste aus. Aber wir hielten durch – und erreichten Korfu-Stadt um 17:45 Uhr. Punktlandung. Dimitris hatte 18:00 Uhr gesagt. Jetzt ist es 18:41 Uhr. Willkommen in Griechenland: Siga Siga!


Ob wir heute noch unsere Räder zurückgeben dürfen oder vor dem Laden übernachten, wird sich zeigen. Aber eins ist klar: Wir haben’s geschafft. Nass, müde, ein bisschen durch – aber glücklich.


Und siehe da – um 19:05 Uhr fährt ein kleines, weißes Fahrzeug vor, nicht größer als eine Nespresso-Maschine. Heraus steigt Dimitris’ Vater – mit einem Lächeln, dem man einfach nicht böse sein kann. Griechischer Charme in Reinform. Siga Siga eben!


Er verstaut unsere Räder, Michi fischt unsere Taschen aus einer hinteren Ecke, und zur Krönung bringt uns der freundliche Vater auch noch bis in die Nähe unseres Quartiers.


Happy End. Alles gut.

Kein Beinbruch, keine Abschürfungen, keine Unfälle – nur Glücksmomente, Muskelkater und ein Hauch von Abenteuerstaub auf der Seele.


Wir können zufrieden auf fünf Tage voller Schweiß, Witz, Wind, Wege, Weitblick und Wassereinbruch zurückblicken – und einfach nur sagen:


Efcharistopoli, Korfu!



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